Berufsunfähigkeitsversicherung

Das Wichtigste in Kürze zur Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen, da eine Berufsunfähigkeit in den meisten Fällen zu finanziellen Engpässen führt.
  • Du erhältst von der Versicherung eine monatliche Rente, wenn du berufsunfähig wirst.
  • Das Angebot und der Wettbewerb in diesem Bereich der Berufsunfähigkeit ist groß.
  • Ein unabhängiger Fachmann kann dir dabei helfen, den Überblick zu behalten, auf wichtige Klauseln zu achten und eine vernünftige Absicherung mit bestem Schutz und besten Leistungen im Falle der Berufsunfähigkeit zu gewährleisten.

Wofür ist eine Versicherung im Falle von Berufsunfähigkeit gut?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Vertrag zwischen der Versicherung und dem Kunden. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn Du Deinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, für mindestens 6 Monate nicht mehr ausüben kannst (§ 172 Abs. 2 VVG). Meist gilt hier die 50 Prozent Regel: Das bedeutet, dass du deinen Beruf zu 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Dies wird meist an der Arbeitszeit deiner Tätigkeit gemessen.

Warum ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig?

Statistische gesehen wird jeder vierte Berufstätige in seinem Leben berufsunfähig. Zwar nicht lebenslang, aber meist reicht der Zeitraum aus, um in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Gründe hierfür sind vielseitig. Mehr als 30 Prozent der Fälle von Berufsunfähigkeit sind auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Mit knapp 20 Prozent folgen danach Erkrankungen am Bewegungsapparat. Kurz dahinter kommen die Krebserkrankungen. Erst danach kommen Herzerkrankungen und Unfälle, die bei ungefähr 7 bis 8 Prozent der Fälle von Berufsunfähigkeit eintreten.

Laut der Deutschen Rentenversicherung werden Menschen durchschnittlich mit 52 Jahren berufsunfähig. Berufsunfähigkeit und die daraus resultierenden Folgen sollten also nicht unterschätzt werden. Auch wenn man für diese Versicherungen recht hohe Beiträge zahlt, ist so ein Vertrag sehr sinnvoll und reduziert Risiko.

Wenn zum Beispiel eine 27-jährige Angestellte mit 2.000 Euro Netto berufsunfähig wird, muss sie künftig auf 960.000 Euro verzichten (2.000 Euro x 40 Jahre x 12 Monate), bevor sie mit 67 in Rente gehen würde. Hat sie jedoch schon im Vorhinein eine solche private Versicherung für ihren Beruf mit einer Rente in Höhe von 1.500 Euro abgeschlossen und stets fleißig die Beiträge gezahlt, erhält sie eine monatliche Rente von der Versicherung und hat immerhin 720.000 Euro (1.500 Euro x 40 Jahre x 12 Monate), wenn sie bis zur Rente berufsunfähig bleibt.

Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung relevant?

Im Grunde für jeden, der nicht auf sein Arbeitseinkommen verzichten kann.

Manchen Menschen ist der Zugang zu dieser Art Versicherung aber leider durch gesundheitliche Probleme (Vorerkrankungen) oder einen zu riskanten Beruf, für den der Beitrag “unbezahlbar” ist, versperrt.

Dem kann man entgegenwirken, indem man sich bereits in frühen (und gesunden) Jahren für eine solche private Versicherung entscheidet und einen Vertrag eingeht, da hier die Prämien meist auch noch günstiger sind.

Sollte man sich dagegen entscheiden, können andere Wege der Vorsorge getroffen werden, um im Falle der Berufsunfähigkeit liquide zu sein. Dafür legen wir dir unseren Beitrag zum Vermögensaufbau ans Herz.

Was passiert, wenn ich berufsunfähig werde?

Im Zuge einer Arbeitsunfähigkeit erhält man 6 Wochen Lohnfortzahlungen (100 Prozent) durch den Arbeitgeber und anschließend bekommt man für maximal 78 Wochen Krankengeld (ca. 75 Prozent) von der Krankenkasse.

Mit viel Glück erhält man anschließend eine Erwerbsminderungsrente von der Deutschen Rentenversicherung.

Hier gibt es 2 Varianten:

Die halbe Erwerbsminderungsrente (ca. 25 Prozent) erhält man, wenn man höchstens noch 6 Stunden in IRGENDEINEM Beruf arbeiten kann.

Die volle Erwerbsminderungsrente (ca. 50 Prozent) greift, wenn man höchstens noch 3 Stunden in IRGENDEINEM Beruf arbeiten kann.

Eine Erwerbsminderungsrente zu erhalten ist sehr unwahrscheinlich. In etwa die Hälfte aller Anträge werden jährlich abgelehnt.

Meist zahlt eine private Versicherung für Berufsunfähigkeit ab dem 7. Monat (6 Monate Karenzzeit) eine beim Abschluss des Vertrages vereinbarte monatliche Rente. Im Gegenzug erhalten die Versicherungen von ihren Kunden die monatlichen Beiträge.

Eine private Unfallversicherung kann auch nicht als Substitut verstanden werden, da hier lediglich Unfälle abgedeckt sind und in der Regel eine Einmalzahlung und keine Rente vereinbart ist.

Meist erhält man also nach dem Krankengeld nichts mehr und hat folglich keinen finanziellen Schutz. Es sei denn man hat einen Vertrag zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen.

Worauf muss ich bei dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten?

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat immer Gesundheitsfragen, um etwas über die Vorerkrankungen der Interessenten zu erfahren. Diese müssen immer wahrheitsgemäß beantwortet werden. Man sollte aber auch nicht mehr beantworten, als in den Fragen vom Vertrag tatsächlich erfragt wird.
  • Nicht jeder Mensch kann aufgrund seiner gesundheitlichen Vorgeschichte eine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten, da der Versicherer den Antrag ja auch ablehnen kann. Er kann aber auch bestimmte Krankheiten durch Ausschlussklauseln aus dem Schutz ausschließen (Zum Beispiel Asthma. Bei Berufsunfähigkeit, die durch das Asthma herbeigeführt wurde, würde nicht geleistet.). Eine Alternative ist hier die Annahme eines meist sehr kostspieligen Risikozuschlags.
  • Zudem sollte man bei der Beantragung acht geben. Sollte der Versicherer den Antrag ablehnen, ist man verpflichtet, bei zukünftigen Anträgen bei anderen Gesellschaften anzugeben, dass man bereits einmal von einer Versicherung abgelehnt wurde. Das kann dazu führen, dass man keine Chance mehr auf die Versicherung hat.
  • Es empfiehlt sich also durch einen unabhängigen Berater bei verschiedensten Gesellschaften anonyme Risikovoranfragen stellen zu lassen.
  • Versicherungstechnisch wird man zum Jahreswechsel ein Jahr älter, egal wann man Geburtstag hat. Das führt dazu, dass eine Versicherung mit Beginn im Dezember günstiger seinen kann als ein Vertrag, der erst einen Monat später im Januar abgeschlossen wird.
  • Weiterhin macht es Sinn, den Versicherungsschutz bereits in jungen Jahren abzuschließen, da so die Prämien geringer sind und man meist auch gesünder ist und dem Abschluss der Versicherung im Falle von Berufsunfähigkeit so weniger im Wege steht.
  • Der Verzicht auf abstrakte Verweisung sollte im Vertrag vereinbart sein. Dies ist heutzutage schon eher der Standard. Sollte er aber nicht integriert sein, könnte der Versicherer darauf plädieren, dass du noch in der Lage wärst, einem gleichwertigen, aber anderen Beruf nachzugehen und würde die Leistung verweigern.
  • Bei der Höhe der Berufsunfähigkeitsrente ist man nach oben hin beschränkt. Man sollte wenn möglich in etwa 70-80 Prozent seines Nettoverdienstes als private Rente versichern. Nach unten hin sollte man sich ein Limit von 1000€ Berufsunfähigkeitsrente setzen. Denn wenn man im Fall der Fälle auf Sozialhilfeniveau zurückfällt, würden Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsrente angerechnet. Man würde quasi keine staatliche Unterstützung erhalten. Man finanziert sich seine staatliche Unterstützung quasi selbst durch seine Beiträge und entlastet so den Staat.
  • Man sollte sich einen finanziell stabilen Versicherer heraussuchen, da man mit einem Vertrag im Grunde eine Wette bis zur Rente eingeht. Sollte der Versicherer im Laufe der Zeit finanzielle Probleme bekommen oder sogar insolvent gehen, könnte das dafür sorgen, dass du auf deine Leistungen verzichten musst.

Was genau kann ich durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung versichern?

Die monatliche Rente im Leistungsfall bildet hier die Grundlage.

Zusätzlich gibt es viel Spielraum. Zum Beispiel kann man eine Pflegerente integrieren.

Als Beamter kann man auch eine Dienstunfähigkeitsversicherung anbinden.

Flexibilität ist im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung sehr wichtig. Um die Inflation (Kaufkraftverlust) auszugleichen, bieten sich 2 Mittel an. Das Üblichste ist es, eine Dynamik in die Versicherung zu integrieren. So steigt die Rente jedes Jahr um den vereinbarten Prozentsatz (meist 2-5 Prozent). Die Beiträge steigen ebenfalls. Man kann der Erhöhung jährlich widersprechen. In der Regel wird nach 3 abgelehnten Erhöhungen keine weitere Dynamik von der Versicherung angeboten.

Die zweite Variante bezieht sich auf die prozentuale Steigerung der Rente im Leistungsfall. Also ähnlich der ersten Variante. Der große Unterschied ist, dass die Kosten für die mögliche Steigerung im Leistungsfall bereits in den Beiträgen integriert sind und dieser somit höher ausfällt.

Will man sich auf keine Dynamik festlegen, sollte man darauf achten, dass man eine Nachversicherungsgarantie integriert hat. Bei Anlässen wie beispielsweise der Geburt deines Kindes, deiner Hochzeit, dem Wechsel der beruflichen Tätigkeit oder deiner Gehaltserhöhung kannst du die Berufsunfähigkeitsrente schlagartig um einen festgelegten Betrag erhöhen. Dadurch erhöht sich dein Beitrag ebenfalls.

Es gibt die Möglichkeit, Kombiprodukte, wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Risikolebensversicherung oder einer Lebens-/Rentenversicherung abzuschließen. Viele Gründe sprechen dagegen. Der größte ist wohl die mangelnde Flexibilität.

In heutiger Zeit wichtig zu wissen und zu beachten ist, dass auch Langzeitfolgen durch die Covid-Erkrankung abgesichert seien sollten. Long Covid ist in der Regel mitversichert.

Wie viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung unterscheiden sich in erster Linie vom Anbieter. Es erscheint recht einfach, den günstigsten Tarif abzuschließen, der einem auf einem Vergleichsportal angeboten wird. Meist fehlen aber gewisse Klauseln, von denen oben bei “worauf muss man achten” schon einige beschrieben wurden.

Viele weitere Parameter beeinflussen den monatlichen Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Er ist vor allem abhängig

  • von der Höhe der gewünschten Rente
  • vom aktuellen Alter,
  • vom aktuellen Beruf / Tätigkeit,
  • vom Grad der Ausbildung / des Abschlusses,
  • vom Endalter des Versicherungsschutzes,
  • vom Gesundheitszustand,
  • davon ob man Raucher oder Nichtraucher ist,
  • davon ob man Personalverantwortung hat
  • und davon zu wie viel Prozent man “Schreibtischarbeit” verrichtet.

Der Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist meist der Netto-Beitrag. Der Versicherer hat das Recht und behält sich vor, den Beitrag bis zur Höhe des Brutto-Beitrags zu erhöhen. Daher sollte man auch darauf Acht geben. Der Preis, den man über Monate und Jahre für seinen Schutz zahlt, kann sich also auch erhöhen.

Berufsunfähigkeit und die dazugehörigen Versicherungen bilden ein sehr komplexes Themengebiet, bei dem eine vernünftige Beratung unumgänglich ist, um sich die besten Leistungen zu sichern. Man kann sich zwar online einen Vergleich zur groben preislichen Orientierung holen, sollte aber mit einem Fachmann das Detailgespräch suchen. Wir unterstützen dich gerne bei deinem Vorhaben und stehen dir mit langer Erfahrung und vielen Informationen zur Seite.